Refine
Document Type
- Book (2)
Language
- German (2)
Has Fulltext
- yes (2)
Is part of the Bibliography
- no (2)
Keywords
- Asset Management (2)
- Asset management (2)
- Condition survey (2)
- Deutschland (2)
- Forschungsbericht (2)
- Germany (2)
- Improvement (2)
- Research report (2)
- Verbesserung (2)
- Zustandsbewertung (2)
Institute
Eine wichtige Grundlage für eine systematische Straßenerhaltung ist die Kenntnis des Straßenzustands und seiner zeitlichen Entwicklung. Die Grundlage hierfür sind Zustandsdaten der Fahrbahnoberfläche aus den periodischen Kampagnen der Zustandserfassung und -bewertung ZEB. Der vorliegende Forschungsbericht thematisiert eine Weiterentwicklung von bestehenden Methoden zur Zustandserfassung und -bewertung kommunaler Straßen. Ziel war die Entwicklung einer für den kommunalen Bereich geeigneten Bewertungsmethodik, die in einem Pilotgebiet in Bochum erprobt wurde. Die Zustandserfassung erfolgte messtechnisch und visuell vor allem auf Hauptverkehrs- und Nebenstraßen oder visuell auch auf Nebenflächen, wobei visuell zwischen visuell-sensitiver Vor-Ort-Erfassung und bildbasierter Auswertung am Bildschirm unterschieden wird. Das Projekt überprüfte bestehende Zustandsindikatoren und erweiterte diese um die Dimensionen „Ausdehnung“ und „Ausprägung“ ausgehend von der Asphalt- auf die Pflasterbauweise, um eine differenziertere Bewertung zu ermöglichen.
Die Analyse zeigte, dass bisherige Indikatoren wie Ebenheit und Substanzmerkmale (z. B. Risse) die Anforderungen verschiedener Verkehrsflächenarten nicht ausreichend abbilden. Ein Katalog relevanter Zustandsindikatoren wurde erstellt, wobei Ebenheit (Längs- und Querebenheit) und Substanzmerkmale als Hauptgruppen identifiziert wurden. Die Griffigkeit netzweit betrachtet spielt im kommunalen Bereich aufgrund niedriger Geschwindigkeiten eine geringere Rolle. Zur Qualitätssicherung werden standardisierte Verfahren und zertifizierte Messgeräte empfohlen. Die visuell-sensitive Zustandserfassung mit präziser Lokalisierung verbessert die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse deutlich.
Für unterschiedliche Verkehrsflächenarten wurden spezifische Bewertungsindikatoren und Normierungsfunktionen entwickelt. Die Verknüpfung der Indikatoren (Wertesynthese) wurde angepasst, um eine konsistentere und realitätsnahe Bewertung zu ermöglichen. Im Pilotgebiet Bochum wurden drei Erfassungsmethoden – messtechnisch, visuell-bildbasiert und visuell-sensitiv – verglichen. Jede Methode weist spezifische Stärken auf: Messtechnische Verfahren sind besonders bei Ebenheitsdefiziten präzise, visuell-bildbasierte Verfahren eignen sich für Oberflächenschäden, visuell-sensitive Verfahren liefern kontextbezogene Einschätzungen. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse hängt maßgeblich von der räumlichen Zuordnung und der Schadenscodierung ab.
Das Projekt empfiehlt, Zustandsindikatoren um „Ausdehnung“ und „Ausprägung“ zu erweitern und erstmals systematische Bewertungsansätze für Pflasterflächen zu etablieren. Für die Qualitätssicherung sollten Vergleichsverfahren für Messgeräte, verbindliche Anforderungen an das Erhebungspersonal sowie klare Codierungsregeln eingeführt werden. Die Länge der Auswerteabschnitte sollte auf mindestens 20 Meter erhöht werden.
Alle drei Erfassungsverfahren sind grundsätzlich geeignet, sollten jedoch je nach Zielsetzung und Flächenart ausgewählt werden. Zukünftiger Forschungsbedarf besteht in der Entwicklung von Prognosemodellen für den baulichen Zustand, vorzugsweise auf Basis objektiver Indikatoren und unter Nutzung hybrider Ansätze wie Bayes’schen Modellen.
Zusammenfassend liefert das Projekt wichtige Impulse für eine präzisere, objektivere und praxisnahe Zustandserfassung und -bewertung kommunaler Verkehrsflächen. Die entwickelten Methoden und Empfehlungen bilden im Rahmen des Erhaltungsmanagements eine solide Grundlage für eine systematische Erhaltungsplanung in Kommunen und die Ermittlung des kommunalen Erhaltungs- und Finanzbedarfs von Straßen.
Aktuell dient bei der rechnergestützten Erneuerungs- und Instandsetzungsplanung von Bundesfernstraßen das Arbeitspapier 9, Reihe S (AP 9/S) als Hilfsmittel für die flächendeckende bzw. netzweite Substanzbewertung der gebundenen Straßenbefestigungsschichten. Das Ziel des Forschungsprojektes war es, durch die Anwendung der Entwurfsfassung der RSO Asphalt (Richtlinie für die Bewertung der strukturellen Substanz des Oberbaus von Verkehrsflächen in Asphaltbauweise) eine realitätsnähere Ermittlung des strukturellen Substanzwertes zu erreichen und dadurch die Ergebnisqualität der rechnergestützten Erhaltungsplanung netzweit und objektscharf zu erhöhen.
Um auf Grundlage des AP 9/S und der RSO Asphalt Vergleichsrechnungen für ein synthetisches Analysenetz durchführen zu können, wurden, neben einigen objektspezifischen Beprobungen, auf Grundlage aller den Autoren zugänglichen Materialuntersuchungen allgemeingültige Materialeigenschaften für Asphaltdeck-, -binder- und -tragschichten ermittelt. Die allgemeingültigen Materialeigenschaften beschreiben für jede Asphaltmaterialart ein oberes, mittleres und unteres Steifigkeitsmodul sowie für Asphalttragschichtmaterialien zusätzlich eine obere, mittlere und untere Ermüdungsfunktion.
Auf Grundlage der allgemeingültigen Materialeigenschaften wurde erstmals auf Netzebene eine auf den RSO Asphalt basierende Nutzungs bzw. Restnutzungsdauerberechnung durchgeführt. Auf Basis der systematischen Erhaltungsplanung wurde ein Grundmodell zur Berücksichtigung des Verfahrens der RSO Asphalt in einem Pavement Management System (PMS) entwickelt und implementiert. Die modifizierte Konfiguration des PMS wurde für das Analysenetz angewendet und die Ergebnisse jenen der Standardkonfiguration gegenübergestellt. Mit dem Vergleich der verschiedenen Berechnungsverfahren wurde nachgewiesen, dass die Berücksichtigung der nach den RSO Asphalt berechneten Restnutzungsdauern im PMS möglich ist.
