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Das 1999 erstmals veröffentlichte und 2006 überarbeitete European Statement of Principles (ESoP) legt Mindestanforderungen für die Gestaltung von In‐Vehicle‐Information Systems (IVIS) fest, um die sichere Ausführung der Fahraufgabe zu gewährleisten. Seit seiner letzten Aktualisierung haben sich jedoch weitreichende technologische Entwicklungen vollzogen, insbesondere im Hinblick auf Displaygrößen sowie auf nicht‐fahrtrelevante Funktionen, auf die Fahrende auch während der Fahrt Zugriff haben. Aktuelle, diverse Interaktionsmöglichkeiten, wie Touchscreens, Gestik‐ oder Sprachsteuerung, stellen zudem unterschiedliche Anforderungen an die Nutzenden und erfordern mutmaßlich eine differenzierte Betrachtungsweise für Empfehlungen eines sicheren Interaktionsdesigns.
Das Ziel der hier dokumentierten Aktivitäten ist es, die Gültigkeit des ESoP in modernen Fahrzeugen zu bewerten. Es wird untersucht, ob eine Aktualisierung oder Erweiterung der Grundsätze notwendig wäre, um sie an den aktuellen Stand der Technik anzupassen. Innerhalb des Projektes wurden dafür drei Oberklasse‐Fahrzeuge (Baujahr 2022‐2023) hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit dem ESoP und über dieses hinausgehende Richtlinien analysiert. Im Fokus stand dabei die Identifikation klarer Abweichungen von bestehenden Grundsätzen und ihre Diskussion anhand von Beispielen. Die Bewertung folgte dabei einer vorab definierten Checkliste in drei Stufen: (1) Einhaltung des ESoP durch herkömmliche Systeme, (2) Übertragbarkeit des ESoP auf neue Interaktionskonzepte sowie (3) Abgleich des Funktionsumfangs moderner Fahrzeuge mit bestehenden Grundsätzen.
Die Analyse zeigt, dass trotz einzelner Abweichungen die Grundsätze des ESoP für die Gestaltung visuell‐manueller Interaktionen weitgehend eingehalten werden. Zudem werden die meisten der festgestellten Abweichungen nicht als relevant im Sinne einer sicherheitskritischen Ablenkung eingeschätzt. Die Diskussion unter Einbezug aktueller Forschungserkenntnisse zeigt für die exemplarische Analyse und die identifizierten Abweichungen, dass die Grundsätze des ESoP weiterhin für eine ablenkungsminimierte Gestaltung von Funktionen zielführend sind und eine wichtige Grundlage für die Gestaltung sicherer Bedienkonzepte darstellen. Eine Erweiterung anhand angepasster, aktualisierter Beispiele und Erklärungen des ESoP, um technologische Entwicklungen und Kriterien neuerer Richtlinien einzubeziehen, erscheint jedoch sinnvoll. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern, Technologieanbietern, Verbraucherschutzorganisationen und Behörden erscheint sinnvoll, um weltweit harmonisierte Sicherheitsstandards sicherzustellen und die sichere Ausführung der Fahraufgabe durch sicheres Design kontinuierlich zu verbessern.
