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Die Erweiterung der Mautpflicht auf Bundesstraßen hat dazu geführt, dass der bisherige Verkehr, der Mautgebühren vermeiden wollte, weitgehend wieder auf das Autobahnnetz zurückverlagert wurde. Infolgedessen ist die ohnehin geringe Anzahl der Fahrzeuge, die Mautgebühren umgehen, weiter deutlich gesunken und wird zunehmend von anderen verkehrsbeeinflussenden Faktoren überlagert. Zudem sind die Schwerverkehre auf mautfreien Strecken wie Landes-, Staats-, Kreis- und Gemeindestraßen nicht besonders stark ausgeprägt. Die bisherigen Modellberechnungen stoßen daher an ihre Genauigkeitsgrenzen. Selbst anhand von Vorher-/Nachher-Vergleichen an den Dauerzählstellen ist es 18 Jahre nach Einführung der Maut nicht mehr ausreichend möglich, den Mautverlagerungsverkehr mit den bisherigen Methoden hinreichend von anderen Effekten abzugrenzen.
Um auch weiterhin der bestehenden Berichtspflicht gerecht zu werden und zuverlässige Schätzungen zu den Mautverlagerungsverkehren vornehmen zu können, analysiert diese Ausarbeitung Schwerverkehre auf Basis von Lkw-Mautdaten des Bundesamts für Logistik und Mobilität (BALM). Diese Daten ermöglichen die Nachverfolgung, wann ein Fahrzeug welchen Mautabschnitt befahren hat. Ziel ist es, ein Verfahren zu entwickeln, das Mautausweichverkehre erstmals vollständig und empirisch analysiert und ein kontinuierliches Monitoring ermöglicht.
Das Verfahren gliedert sich in zwei Schritte:
1. Identifikation von Mautausweichverkehren und -relationen und
2. Zeitreihenanalyse
1. Identifikation von Mautausweichverkehren und -relationen
Im ersten Schritt werden täglich Fahrten außerhalb des Mautnetzes identifiziert. Dazu werden die Mautfahrten eines Fahrzeugs chronologisch verknüpft. Wenn ein Fahrzeug zwischen zwei Mautfahrten das Mautnetz verlässt, wird geprüft, ob es außerhalb des Mautnetzes eine Fahrtunterbrechung gab. So lässt sich feststellen, ob ein paralleler Verkehr zum Mautnetz stattgefunden hat. Ein routingfähiges Netzmodell könnte diesen Schritt verbessern, indem es wahrscheinliche Routen außerhalb des Mautnetzes sowie deren Zeitbedarf und Streckenlänge genauer ermittelt.
Anhand dieser Daten werden auch Fahrten außerhalb des Mautnetzes mit Fahrten innerhalb des Mautnetzes verglichen. Ist eine Route außerhalb des Mautnetzes schneller, gilt sie als zeitlich attraktiver. Der Vergleich wird zeitabhängig durchgeführt, um den Einfluss von Verkehrsflussbedingungen zu minimieren. In dieser Untersuchung wurde die schnellste Fahrt innerhalb und außerhalb des Mautnetzes pro Relation und Zeitfenster als Basis genommen.
Für Relationen ohne Mautfahrten, bei denen alle Fahrzeuge auf das nicht mautpflichtige Netz ausweichen, ist eine manuelle Prüfung nötig, um den Einfluss von Zeit- oder Kosteneinsparungen zu bewerten. Hier könnte ein routingfähiges Netzmodell die manuelle Arbeit durch Schätzungen der Zeitbedarfe unterstützen.
Ergebnisse aus Schritt 1:
Je Kalendertag sind
a) die Relationen (zwischen zwei Mautnetzknoten zu Mautnetzknoten),
b) je Relation der Fahrtenbesatz von Fahrten außerhalb des Mautnetzes mit und ohne Unterbrechung,
c) je Relation die absolute Anzahl an Fahrten außerhalb des Mautnetzes, die Mautausweichfahrten sind sowie
d) die relativen Anteile von b) und c) an allen Fahrten (im und außerhalb des Mautnetzes) bekannt.
Eine Anwendung des Verfahrens für den betrachteten Stichtag 21.06.2023 zeigte:
- Zwischen 1,88 % (bei mindestens 50 Fahrten/d außerhalb des Mautnetzes pro Relation) und 4,90 % (bei mindestens 10 Fahrten/d außerhalb des Mautnetzes pro Relation) der Fahrten sind Mautausweichverkehr.
- Nur 0,3 %–2,3 % dieser Fahrten sparen mehr als 2 € an Gesamtkosten ein.
2. Zeitreihenanalyse
Empirische Daten beinhalten Reaktionen auf externe Effekte wie Verkehrsflussstörungen (z. B. Ausweichen aufgrund von Baustellen). Die hier durchgeführte Analyse von 20 Stichtagen zeigt eine hohe Fluktuation in den Mautausweichrelationen. Nur 13 % der Relationen mit mindestens 25 Fahrten werden an allen Tagen befahren. Zeitreihenanalysen sind daher entscheidend, um stabile Muster zu identifizieren.
Vorteile des entwickelten Verfahrens und sinnvolle Erweiterungen
Das Verfahren ermöglicht:
- eine klare Unterscheidung zwischen tatsächlich belasteten Strecken und solchen, die überwiegend von unterbrochenen Fahrten genutzt werden,
- präzise Aussagen über die Anzahl und Veränderungen von Fahrten außerhalb des Mautnetzes,
- zeitliche Analysen des Verkehrsflusses im Mautnetz.
Eine sinnvolle Erweiterung stellt die Einbindung eines routingfähigen Netzmodells, ggf. angereichert mit realistischen Geschwindigkeitsdaten aus den kontinuierlich erfassten Mautdaten, dar. Dies würde:
- die Identifikation von Fahrtunterbrechungen auf Routen außerhalb des Mautnetzes, bei denen alle Fahrten unterbrochen sind, und
- die Ermittlung von Referenzfahrzeiten im Mautnetz auf Relationen, auf denen 100 % der Fahrten außerhalb des Mautnetzes liegen
verbessern.
