Untersuchungen Wissenschaftliche Begleitung der Reform des Fahrlehrerrechts – summative Evaluation
Studies on the scientific monitoring of the reform of the driving instructor law – summative evaluation
- Die Auswirkungen der Fahrlehrerrechtsreform wurden in zwei aufeinanderfolgenden Forschungsprojekten mit einem umfassenden methodischen Konzept über einen Zeitraum von sechs Jahren und drei Erhebungszeitpunkten summativ evaluiert. Bestandteile der Forschungsarbeiten bilden die Sekundäranalyse amtlicher Statistiken, die Vergleichsdatenerhebungen unter Fahrlehrerausbildungsstätten, Fahrschulen, Fahrlehrerprüfungsausschüssen und zuständigen Behörden zur Überwachung von Fahrschulen und Fahrlehrerausbildungsstätten sowie die Interviews mit Expertinnen und Experten aus den Teilgruppen. Die Erhebungen in der summativen Evaluation konzentrierten sich inhaltlich auf die vier Reformschwerpunkte (1) Verbesserung der Qualität der Fahrlehrerausbildung, (2) Minderung des Nachwuchsmangels, (3) Verbesserung der Qualität der Fahrschulüberwachung und (4) Abbau bürokratischen Aufwands. Verbesserung der Qualität der Fahrlehrerausbildung Die mit der Fahrlehrerrechtsreform eingeführten und zwischenzeitlich novellierten Kompetenzrahmen für die Fahrlehrerlaubnisklassen (FLE-Klassen) BE, A, CE und DE werden in den befragten Fahrlehrerausbildungsstätten vollständig oder ggf. mit Anpassungen umgesetzt. Sie werden darüber hinaus in den Erhebungen zumeist positiv und als zielführende Weiterentwicklung wahrgenommen. Rückmeldungen der Fahrlehrerausbildungsstätten weisen auf unterschiedliche Einschätzungen zum Umfang der Unterrichtseinheiten im Kompetenzrahmen für die FLE-Klasse BE hin. In den Einschätzungen zur Gewichtung der Ausbildungsinhalte zeigt sich außerdem, dass Fahrlehrerausbildungsstätten und Ausbildungsfahrschulen im BE-Kompetenzrahmen vor allem zu wenige praktische Inhalte berücksichtigt sehen. Der reformierte Ausbildungsplan für die FLE-Klasse BE wird gleichfalls grundlegend positiv bewertet. In den Einschätzungen von Fahrlehrerausbildungsstätten und Ausbildungsfahrschulen fällt insbesondere die Einführungsphase samt erster Hospitationsphase auf, die hinsichtlich der Dauer und der Zweckerfüllung unterschiedlich bewertet wird. Außerdem betrachten die beiden Teilgruppen die Dauer der Ausbildung in Fahrlehrerausbildungsstätten, im Lehrpraktikum sowie die Gesamtdauer der BE-Ausbildung häufig als eher bzw. zu kurz. Minderung des Nachwuchsmangels Im Zuge der Reform wurden die Zulassungsvoraussetzungen für den Fahrlehrerberuf abgesenkt, um den Nachwuchs an Fahrlehrern zu fördern. In den verschiedenen Datenquellen wird im Beobachtungszeitraum eine Zunahme an Fahrlehreranwärtern und Fahrlehrern seit Inkrafttreten der Reform ersichtlich. Zudem zeigt sich unter den angehenden und neu ausgebildeten Fahrlehrern eine größere Heterogenität, gemessen an den Merkmalen Geschlecht, Alter oder den Bildungsabschlüssen. Dennoch werden das abgesenkte Mindestalter und der Verzicht auf den Vorbesitz weiterer Fahrerlaubnisse auch kritisch betrachtet. Verbesserung der Qualität der Fahrschulüberwachung In den befragten zuständigen Behörden hat sich das Vorgehen zur Durchführung der Formalüberwachung und der mit der Fahrlehrerrechtsreform bundesweit eingeführten Überwachung der fachlichen und pädagogischen Qualität (ÜFPQ) weiter standardisiert und etabliert. Zum Ende des Beobachtungszeitraumes – verzögert durch die Corona-Pandemie – ist ein Anstieg bei der Anzahl durchgeführter ÜFPQ im theoretischen und praktischen Unterricht der Fahrschulen sowie im theoretischen Unterricht der Fahrlehrerausbildungsstätten zu beobachten. Von den befragten Fahrschulen wird die bundesweit eingeführte ÜFPQ, anders als von Experten der zuständigen Behörden, nur in Teilen als ein sinnhaftes Instrument zur Überwachung angesehen, bei dem sich Vor- und Nachteile gegenüberstehen. Abbau bürokratischen Aufwands Für den Abbau bürokratischen Aufwands wurden mit der Reform Einzelmaßnahmen ergriffen, um den Verwaltungsaufwand in den Fahrschulen zu reduzieren. Hierbei haben sich einzelne Maßnahmen herauskristallisiert, die in den befragten Fahrschulen zu einer merklichen Reduktion des bürokratischen Aufwands beigetragen haben. Zudem wird eine leicht gestiegene Nutzung einzelner Maßnahmen im Beobachtungszeitraum sichtbar. Weite Teile der befragten Fahrschulen bemerken jedoch keine wesentlichen Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen auf den Arbeitsalltag. Neben den dargestellten zentralen Befunden werden im Forschungsbericht weitere Befunde zur Zielerreichung, Praktikabilität, Zufriedenheit und zu etwaigen Nebenfolgen für die einzelnen Reformschwerpunkte dargelegt. Anhand der im Bericht vorgelegten Befunde wird ersichtlich, dass mit der Reform die Fahrlehrerausbildung und die Überwachung der Fahrschulen in Deutschland in eine Richtung weiterentwickelt wurde, die die beabsichtigte Zielrichtung in den Reformschwerpunkten grundsätzlich erreicht und von den einbezogenen Teilgruppen im Wesentlichen positiv aufgenommen wird. Aus den dargelegten Befunden werden im Bericht zudem Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der bisherigen Maßnahmen der Fahrlehrerrechtsreform abgeleitet.
- The effects of the reform of the driving instructor law were evaluated summatively in two successive research projects using a comprehensive methodological concept over a period of six years and three data collection time periods. The research included secondary analysis of official statistics, surveys for the collection of comparative data among driving instructor education centres, driving schools, driving instructor examination boards, and the authorities responsible for the supervision of driving schools and driving instructor education centres, as well as interviews with experts from each subgroup. The summative evaluation concentrated on the main focuses of the reform: (1) Improving the quality of driving instructor education, (2) reducing the shortage of driving instructors, (3) improving the quality of supervision of driving schools, and (4) reducing bureaucratic burden. Improving the quality of driving instructor education The competence frameworks for the driving instructor licence categories BE, A, CE, and DE, which were introduced with the reform and subsequently amended, were implemented in full or with few adjustments by the driving instructor education centres. In the surveys and interviews, the competence frameworks were generally perceived positive and considered as a targeted-oriented advancement. Feedback from driving instructor education centres indicated diverging assessments of the specified number of teaching units in the competence framework for the driving instructor licence category BE. Furthermore, the assessments of the weighting of the educational content showed that driving instructor education centres and driving schools qualified for training the driving instructor candidates considered the BE-competence framework to include too little practical content. The reformed curriculum for the driving instructor licence category BE was also rated generally positive. In the assessments of driving instructor education centres and driving schools training the candidates, the introductory phase – including the first phase for job shadowing – stood out in particular and was rated differently in terms of duration and fulfilment of its purpose. In addition, the two subgroups often considered the duration of the courses in the driving instructor education centres, the duration of the internship and the overall duration for the education of licence category BE to be rather short or too short. Reducing the shortage of driving instructors As part of the reform, the admission requirements were lowered in order to promote new driving instructors. Until the end of the evaluation period an increase in the number of driving instructor candidates as well as driving instructors became visible. In addition, there was greater heterogeneity among driving instructor candidates and newly trained driving instructors in terms of sex, age, and educational qualifications. However, the lowered minimum age and the absence of the requirement to hold additional driving licences were also viewed critically. Improving the quality of supervision of driving schools In the responsible authorities surveyed, the general procedure for carrying out formal supervisions and supervisions of technical and pedagogical quality – introduced nationwide with the reform – became further standardized. By the end of the observation period – delayed by the corona pandemic – an increase in the number of supervisions of the technical and pedagogical quality in theoretical and practical driving lessons at driving schools and in theoretical lessons at driving instructor education centres could be observed. In the driving schools surveyed, the introduction of the supervision of technical and pedagogical quality was, in contrast to experts from the responsible authorities, only partially regarded as a useful measure for supervision, with advantages and disadvantages. Reducing bureaucratic burden In order to reduce bureaucratic burden in driving schools, individual measures were taken with the reform. A few measures emerged that had contributed to a noticeable reduction in bureaucracy in the driving schools surveyed. In addition, a slight increase in the utilisation of these measures became visible. However, in their day-to-day work many driving schools did not notice a significant impact of the measures taken. In addition to the key findings described above, the research report presents further findingson the achievement of objectives, practicability, satisfaction and any side effects for the four main focuses of the reform. The findings presented in the report show that the reform has further developed the driving instructor education and the supervision of driving schools in Germany in a direction that basically achieves the intended objectives in the main focuses of the reform and that is essentially perceived positive by the subgroups involved. The report also derives starting points for further development of the measures taken in the reform.
| Author: | Bernhard Schrauth, Tamara Herl, Tim LaGuardia |
|---|---|
| DOI: | https://doi.org/10.60850/bericht-m367 |
| ISBN: | 978-3-95606-947-5 |
| ISSN: | 0943-9315 |
| Series (Serial Number): | Berichte der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen, Reihe M: Mensch und Sicherheit (367) |
| Publisher: | Fachverlag NW in der Carl Ed. Schünemann KG |
| Place of publication: | Bremen |
| Contributor(s): | Diana Agorastos, Anabell Dietlicher, Elias Fuchs, Raphael Irimie, Ramona Porzner, Pauline Post |
| Document Type: | Book |
| Language: | German |
| Date of Publication (online): | 2026/08/04 |
| Date of first publication: | 2026/08/04 |
| Publishing institution: | Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) |
| Release Date: | 2026/08/04 |
| Tag: | Ausbildung; Berufsausübung; Bewertung; Deutschland; Fahrlehrer; Fahrschule; Forschungsbericht; Gesetzgebung; Interview; Kontrolle; Qualität; Statistische Analyse; Verbesserung; Veränderung; Wirkungsanalyse Driving instructor; Driving school; Education; Evaluation (assessment); Germany; Impact study; Improvement; Interview; Legislation; Modification; Occupation; Quality; Research report; Statistical analysis; Surveillance |
| Number of pages: | 479 |
| Comment: | Projekt-Nr.: 82.0776 Projekttitel: Untersuchungen Wissenschaftliche Begleitung der Reform des Fahrlehrerrechts "summative Evaluation" Fachbetreuung: Bayram Kiyak Referat: Fahreignung, Fahrausbildung, Kraftfahrerrehabilitation |
| Institutes: | Abteilung Verhalten und Sicherheit im Verkehr |
| Dewey Decimal Classification: | 6 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 62 Ingenieurwissenschaften / 620 Ingenieurwissenschaften und zugeordnete Tätigkeiten |
| Licence (German): | BASt / Link zum Urhebergesetz |



