Grünschnitt aus Straßenseitenräumen - Möglichkeiten der Entsorgung / Weiterverarbeitung und rechtliche Klärung
Green waste from road verges - disposal options / further processing and legal clarification
- Das vorliegende Projekt zielte darauf ab, den zuständigen Betriebsdienststellen rechtssichere Möglichkeiten zur Verwertung und/oder Entsorgung des Grünschnittes entlang der Autobahnen aufzuzeigen und sie damit bei der Erledigung ihrer Aufgaben zu unterstützen. Aufgrund der aktuellen abfallrechtlichen Einstufung der verschiedenen Grünschnittfraktionen wurden mögliche Verwertungswege aufgezeigt. Eine multikriterielle Entscheidungsunterstützung ergab, dass für alle drei Grünschnittfraktionen (gras- und krautartiger Grünschnitt, holzartiger Grünschnitt mit einem Durchmesser von weniger als 7 cm und holzartigem Grünschnitt mit einem Durchmesser von mehr als 7 cm) grundsätzlich die energetische Verwertung zu bevorzugen ist. Hinsichtlich Energieeffizienz und Klimaschutz wird empfohlen, dass der Transportweg zur Verwertungsanlage 100 km nicht überschreiten sollte. Im Vergleich zur aktuellen Situation von Bioabfallvergärungsanlagen in Deutschland wäre die Verwertung von Grünschnitt in landwirtschaftlichen Biogasanlagen logistisch und wirtschaftlich sinnvoller. Aufgrund der abfallrechtlichen Einstufung können gras- und krautartige Materialien derzeit jedoch nicht in diesen dezentralen Anlagen mitvergoren werden. Es gibt jedoch fundierte Gründe, Mähgut von wenig befahrenen Straßen und Wirtschaftswegen in landwirtschaftlichen Biogasanlagen zu nutzen. Derzeit fehlt eine Differenzierung nach der Herkunftsart im abfallrechtlichen Begriff „Straßenbegleitgrün“ in der europäischen Abfallrahmenrichtlinie, dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und der Bioabfallverordnung. Durch die Aufnahme einer definierten Herkunftsart in die entsprechenden abfallrechtlichen Regelungen könnten bestimmte Flächen, wie Begleitflächen entlang von wenig befahrenen Straßen, vom Abfallregime ausgenommen werden. Diese Flächen könnten unter Einhaltung bestimmter Kriterien als Landschaftspflegeprodukte klassifiziert werden, was ihre Nutzung in landwirtschaftlichen Biogasanlagen ermöglichen würde. Ein rechtssicherer Einsatz in diesen Anlagen könnte auch durch die Festlegung von Anforderungen an bestimmte Stoffe per Rechtsverordnung für die Erklärung der Nebenprodukteigenschaft erreicht werden. Weiter wird darauf hingewiesen, dass sich aus der Novellierung des Bundesfernstraßengesetzes seit März 2023 ein Handlungsmandat für die energetische Verwertung von Straßenbegleitgrün für die Baulastträger ableiten könnte. Das Gesetz sieht vor, die Flächenpotenziale entlang neuer oder geänderter Bundesautobahnen für den Ausbau erneuerbarer Energien zu nutzen. Diese Maßnahme unterstützt das Ziel, die Autobahninfrastruktur bis 2040 netto-klimaneutral zu betreiben und steht im Einklang mit der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Bei der Planung und dem Bau von Bundesautobahnen soll die Nutzung der Strecken für die Erzeugung erneuerbarer Energien ein integraler Bestandteil der Planungen sein. Die Nutzung von Biomasse aus der Straßenunterhaltung könnte ebenfalls zur Energieproduktion beitragen, da Biomasse unter die Legaldefinition der erneuerbaren Energien fällt. Im Rahmen des Projektes wurden deutschlandweit Daten zu Bioabfallvergärungsanlagen und Biomasseheiz(kraft)werken gesammelt, die für die Verwertung von grasartigem und holzartigem Grünschnitt geeignet sind. Insgesamt wurden 160 Bioabfallvergärungsanlagen und 70 Biomasseheiz(kraft)werke identifiziert und in eine GIS-Karte übertragen. Zusätzlich wurden landwirtschaftliche Lohnunternehmen und Maschinenringe lokalisiert und ebenfalls in die Karte integriert. Eine wichtige Grundlage für die energetische Verwertung ist die Abschätzung des verfügbaren energetischen Potenzials in einer Region, um eine gezielte Ansprache von Anlagenbetreibern zu ermöglichen. Das deutsche Autobahnnetz hat eine Gesamtlänge von etwa 13.200 km, was bei der Verwertung des gras- und krautartigen Grünschnitts entlang der Autobahnen einem geschätzten Potenzial von etwa 613 GWh pro Jahr entspricht. Damit könnten etwa 34.000 Haushalte mit Strom und Wärme versorgt werden. Diese Schätzung basiert auf Kennzahlen und dient als Orientierung für das theoretische Potenzial der Verwertung von Straßenbegleitgrün. Um dieses Potenzial deutschlandweit zu erschließen, sollten zunächst Pilotstandorte eruiert werden, an welchen eine erweiterte Stoffstromanalyse durchgeführt wird, um gegebenenfalls zusätzliche Abfallströme in der Region zu identifizieren und damit eine effizientere Verwertung zu ermöglichen. Dabei sollten die Daten zum Strom- und Wärmebedarf der eigenen Liegenschaften erfasst und analysiert werden, um hohe Bedarfe zu lokalisieren und mögliche Anlagenstandorte zu identifizieren. Zudem sollte das räumliche Umfeld hinsichtlich der Strom- und Wärmebedarfe untersucht werden, um die Möglichkeit der Errichtung eines Nahwärmenetzes zu prüfen, das die erzeugte Wärme effizient verteilen könnte. Diese Pilotstandorte sollten sorgfältig evaluiert werden, um die besten Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten. Basierend auf den Erfahrungen aus den Pilotprojekten sollte eine deutschlandweite Ausdehnung der Nutzung von Straßenbegleitgrün zur Energiegewinnung systematisch erfolgen, wobei die erfolgreichsten Standorte und Methoden als Best-Practice-Beispiele genutzt werden. Eine sorgfältige begleitende Akteursanalyse ermöglicht die Identifikation und Integration aller relevanten Gruppen in den Planungs- und Umsetzungsprozess, was maßgeblich zum Erfolg der Pilotprojekte und der deutschlandweiten Ausweitung der Verwertung von Straßenbegleitgrün beiträgt. Effektive interne Kommunikation stellt sicher, dass alle Mitarbeitenden über die Ziele, Fortschritte und Herausforderungen der Projekte informiert sind, was ein gemeinsames Verständnis und Engagement für die nachhaltigen Initiativen fördert. Regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen halten die Mitarbeitenden über neue Technologien, Verfahren und Best Practices auf dem Laufenden. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit können die Straßenbauverwaltungen ihr Engagement für Nachhaltigkeit und Umweltschutz nach außen kommunizieren, was das Image stärkt und Vertrauen bei der Öffentlichkeit und den Stakeholdern aufbaut. Es ist wichtig, die Öffentlichkeit und potenzielle Partner über die Vorteile und Möglichkeiten der Nutzung von Straßenbegleitgrün zu informieren.
- The aim of this project was to show the responsible operating authorities legally compliant options for the recycling and/or disposal of green waste along federal roads and thus support them in carrying out their tasks. Based on the current waste classification of various green waste fractions, possible recycling routes were identified. Multi-criteria decision support revealed that energy recovery is generally preferable for all three green waste fractions (grass and herbaceous green waste, woody green waste with a diameter of less than 7 cm and woody green waste with a diameter of more than 7 cm). With regard to energy efficiency and climate protection, it is recommended that transportation distance to the recycling plant should not exceed 100 km. Compared to the current situation of biowaste fermentation plants in Germany, recycling of green waste in agricultural biogas plants would make more sense logistically and economically. However, grass and herbaceous materials cannot currently be co-fermented in these decentralized plants due to their classification under waste legislation. However, there are well-founded reasons for using mowed material from low-traffic roads and farm tracks in agricultural biogas plants. There is currently no differentiation according to the type of origin in the waste law term “roadside vegetation” in the European Waste Framework Directive, the Closed Substance Cycle Waste Management Act and the Biowaste Ordinance. By including a defined type of origin in the relevant waste regulations, certain areas, such as areas along low-traffic roads, could be exempted from the waste regime. These areas could be classified as landscape conservation products if certain criteria are met, which would allow them to be used in agricultural biogas plants. Legally secure use in these plants could also be achieved by specifying requirements for certain substances by statutory order for the declaration of by-product status. It is also pointed out that the amendment to the Federal Highways Act since March 2023 could result in a man-date for action for energy recovery of roadside greenery for authorities responsible for construction. The Act provides for potential areas along new or modified federal highways to be used for the expansion of renewable energies. This measure supports the goal of operating highway infrastructure in a net climate-neutral manner by 2040 and is in line with the German Sustainability Strategy and the Renewable Energy Sources Act. When planning and building federal highways, the utilization of road verges for generating renewable energy should be an integral part of the planning. The use of biomass from road maintenance could also contribute to energy production, as biomass falls under the legal definition of renewable energies. As part of the project, data on biowaste fermentation plants and biomass heating (power) plants suitable for the utilization of grassy and woody green waste was collected throughout Germany. A total of 160 biowaste fermentation plants and 70 biomass heating (power) plants were identified and transferred to a GIS map. In addition, agricultural contractors and machinery rings were localized and also integrated into the map. An important basis for energy recovery is the estimation of the available energy potential in a region in order to enable a targeted approach to plant operators. The German highway network has a total length of around 13,200 km, which corresponds to an estimated potential of around 613 GWh per year if the grass and herbaceous green waste along the highways is recycled. This could supply around 34,000 households with electricity and heat. This estimate is based on key figures and serves as a guide to the theoretical potential for recycling roadside greenery. In order to tap this potential across Germany, pilot sites should first be identified at which an extended material flow analysis is carried out in order to identify any additional waste streams in the region and thus enable more efficient recycling. Data on electricity and heat requirements of the company's own properties should be recorded and analyzed in order to localize high demand and identify possible plant locations. In addition, the surrounding area should be investigated with regard to electricity and heat requirements in order to examine the possibility of setting up a local heating network that could efficiently distribute the generated heat. These pilot sites should be carefully evaluated to ensure best conditions for successful implementation. Based on the experience gained from pilot projects, utilization of roadside greenery for energy generation should be systematically expanded throughout Germany, using the most successful locations and methods as examples of best practice. A careful accompanying stakeholder analysis enables identification and integration of all relevant groups in the planning and implementation process, which contributes significantly to the success of pilot projects and the nationwide expansion of the utilization of roadside greenery. Effective internal communication ensures that all employees are informed about the objectives, progress and challenges of the projects, which promotes a shared understanding of and commitment to the sustainable initiatives. Regular training and development sessions keep employees up to date with new technologies, procedures and best practices. Through targeted public relations work, public road authorities can communicate their commitment to sustainability and environmental protection to the outside world, which strengthens the image and builds trust with the public and stakeholders. It is important to inform the public and potential partners about the advantages and potentials of using road-side greenery.
| Author: | Patrick Marx, Katja Weiler, Bernhard Wern |
|---|---|
| DOI: | https://doi.org/10.60850/bericht-v414 |
| ISBN: | 978-3-95606-904-8 |
| ISSN: | 0943-9331 |
| Series (Serial Number): | Berichte der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen, Reihe V: Verkehrstechnik (414) |
| Publisher: | Fachverlag NW in der Carl Ed. Schünemann KG |
| Place of publication: | Bremen |
| Document Type: | Book |
| Language: | German |
| Date of Publication (online): | 2025/12/08 |
| Date of first publication: | 2025/12/08 |
| Publishing institution: | Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) |
| Release Date: | 2025/12/08 |
| Tag: | Abfallbewirtschaftung; Biogas; Deutschland; EU Richtlinie; Erneuerbare Energie; Forschungsbericht; Gesetzgebung; Landschaftspflege; Materialwiederverwendung; Nebenprodukt; Straßenseitenfläche Biogas; EU directive; Germany; Landscaping; Legislation; Recycling; Renewable energy; Research report; Roadside; Waste disposal; Waste product |
| Number of pages: | 70 |
| Comment: | Projekt-Nr.: 02.0460 Projekttitel: Grünschnitt aus Straßenseitenräumen - Möglichkeiten der Entsorgung / Weiterverarbeitung und rechtliche Klärung Fachbetreuung: Pia Bartels Referat: Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Verkehrsstatistik |
| Institutes: | Abteilung Straßenverkehrstechnik |
| Dewey Decimal Classification: | 6 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 62 Ingenieurwissenschaften / 620 Ingenieurwissenschaften und zugeordnete Tätigkeiten |
| Licence (German): | BASt / Link zum Urhebergesetz |



