Werbung an Fahrzeugen

Advertisement on vehicles

  • Der Straßenraum ist für Werbetreibende seit jeher ein attraktiver Bereich, um Aufmerksamkeit auf die eigenen Produkte, Marken oder Dienstleistungen zu lenken. Durch verbesserte und billiger werdende Technik wie LED rücken zunehmend auch Fahrzeuge als mögliche Werbeträger in den Fokus und müssen im Hinblick auf ihre möglichen, negativen Einflüsse auf die Verkehrssicherheit und den Verkehrsfluss bewertet werden. Zur (technischen) Regelung von entsprechenden Anbauten wurden im Zuge des vorliegenden Projektes u. A. Aspekte der Darstellung, Anbringung und möglichen Beeinträchtigung von Verkehrsteilnehmenden diskutiert und die Vorschriftenlage erläutert. Im Bereich der Sensorik und Lichttechnik liegen bereits durchaus brauchbare Lösungen vor, die in ihren Einflüssen aber noch nicht ausreichend abgeschätzt wurden. Merkmale wie die Leuchtdichte, die Farbigkeit und die Veränderlichkeit (d. h. die Darstellung bewegter Inhalte) werden bezüglich ihrer Relevanz für den Straßenverkehr thematisiert und mit Erkenntnissen aus der theoretischen Betrachtung und der Empirie untermauert. In zwei getrennten Versuchsteilen wurden anschließend zum einen die Störwirkung durch Blendung (in einer nächtlichen Versuchsumgebung) und zum anderen die Ablenkungswirkung (bei Tagessichtbedingungen und jeweils auf Stadt- und Autobahnstrecken) untersucht. Neben Paarvergleichen und Einzelratings wurden umfangreiche Simulatorversuche durchgeführt, an denen jeweils 42 Versuchspersonen teilnahmen. In die Betrachtung der Störwirkung durch Blendung flossen Faktoren wie die Veränderlichkeit, die Leuchtdichtestruktur und die Farbigkeit ein und wurden entsprechend variiert. Aus der subjektiven Blendbewertung durch die Versuchspersonen ließen sich eine höhere Ablenkung durch veränderliche, inhomogene sowie farbige Darbietungen innerhalb der Störwirkung im Vergleich zu unbunten und homogenen Flächen zeigen. Einzelne Einflüsse auf das Fahrverhalten waren ebenfalls zu beobachten. Des Weiteren zeigte sich, dass eine Blendbewertung von fahrzeuggetragener Werbung prinzipiell mittels etablierter Maße plausibel möglich ist und zukünftig mindestens die Merkmale Flächenleuchtdichte, Flächengröße, die Umgebungshelligkeit und innere Darstellungsinhalte wie die Veränderlichkeit beinhalten sollte. Die Ablenkungswirkung wurde in Bezug auf das Fahrverhalten, die Blickbewegungen und die selbstberichtete Beanspruchung während verschiedener Szenarien untersucht, in denen die Versuchspersonen Lkw mit Heckwerbung hinterherfuhren. Die Anzeigen wurde dabei bezogen auf die Veränderlichkeit (statisch vs. Wechseldarstellung vs. dynamisch) und die Relevanz (relevant vs. nicht relevant) variiert. Vor allem in der städtischen Umgebung ließ sich über mehrere Blickbewegungsmaße hinweg zeigen, dass von dynamischerer Werbung ein höheres Ablenkungsrisiko ausgeht. In einigen Szenarien wurde den Versuchspersonen die Möglichkeit zum Überholen gegeben, hier fuhren sie bei wechselnden Darstellungen näher an den Lkw heran und überholten bei relevanten knapper. Durch die empirischen Untersuchungen konnten eine Reihe von Einflussfaktoren durch digitale Werbung an Fahrzeugen identifiziert werden, deren gleichzeitiges Auftreten in einem sogenannten Worst-Case-Szenario durchaus dazu führen kann, dass erhebliche Risiken für die beteiligten Verkehrsteilnehmenden bestehen. Um die reellen Konsequenzen, z. B. bezogen auf das Unfallrisiko durch digitale Werbesysteme an Fahrzeugen, abschätzen zu können, bedarf es weiterer Forschung und alternativer Forschungsansätze.
  • Public roads have always been an attractive area for advertisers to draw attention to their products, brands or services. Due to improved and cheaper technology such as LEDs, vehicles are increasingly coming into focus as potential advertising media. This new advertising spaces must be evaluated with regard to their possible negative impact on traffic safety and traffic flow. For the (technical) regulation of corresponding attachments, aspects such as the display, the installation and possible impairment of road users were discussed in the course of this project. Furthermore, the regulatory situation was explained. There are already viable solutions in the field of sensor and lighting technology, but their impact has not yet been sufficiently assessed. Characteristics such as luminance, color and variability (i. e. the amount of moving of the content displayed) are discussed in terms of their relevance for road traffic and substantiated with findings from theoretical and empirical studies. In two separate experimental parts, the disruptive effect of glare (in a night-time test environment) and the distraction effect (in daytime visibility conditions and on city as well as highway routes) were then investigated. In addition to pair comparisons and individual ratings, extensive simulator tests were carried out. In each of the experimental parts 42 test subjects took part. Factors such as variability, luminance structure and color were taken into account and varied accordingly when considering the disruptive effect of glare. The subjective glare assessment by the test subjects showed clear indications of greater distraction within the disruptive effect compared to achromatic and homogeneous surfaces. Occasional influences on driving behavior were also observed. Furthermore, it was shown that a glare assessment of vehicle-mounted advertising is in principle plausibly possible using established measures and should in future include at least the characteristics of surface luminance, surface size, ambient brightness and internal display content such as variability. The distraction effect was examined in relation to driving behavior, eye movements and self-reported stress during various scenarios. The test subjects had to drive behind trucks with rear advertising, which was varied in terms of variability (static vs. alternating vs. dynamic) and relevance (relevant vs. non-relevant). Particularly in the urban environment, several measures of eye movement showed that dynamic advertising poses a higher risk of distraction. In some scenarios, the test subjects were given the opportunity to overtake; in this case, they drove closer to the truck with changing displays and overtook more closely with relevant displays. The empirical studies identified a number of factors influenced by digital advertising on vehicles. The simultaneous occurrence of those could – in a worst-case scenario – lead to considerable risks for the road users involved. Therefore, further research and alternative research approaches are needed to assess the real-life consequences, e. g. the risk of accidents caused by digital advertising systems on vehicles.

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Metadaten
Author:Lisa Zwicker, Christoph Schulze, Tibor Petzoldt
DOI:https://doi.org/10.60850/bericht-f169
ISBN:978-3-95606-878-2
ISSN:0943-9307
Series (Serial Number):Berichte der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen, Reihe F: Fahrzeugtechnik (169)
Publisher:Fachverlag NW in der Carl Ed. Schünemann KG
Place of publication:Bremen
Document Type:Book
Language:German
Date of Publication (online):2025/08/28
Date of first publication:2025/08/28
Publishing institution:Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
Release Date:2025/08/28
Tag:Ablenkung (psychol); Augenbewegungen; Blendung; Deutschland; Dynamik; Fahrzeug; Forschungsbericht; Fotometrie; Messung; Optische Anzeige; Reaktionsverhalten; Sicherheit; Simulation; Statik; Verhalten; Versuch; Veränderlichkeit; Werbung
Behaviour; Distraction; Dynamics; Eye movement; Germany; Glare; Measurement; Photometry; Publicity; Reaction (human); Research report; Safety; Simulation; Statics; Test; Variability; Vehicle; Visual display
Number of pages:197
Comment:
Projekt-Nr.: 82.0742
Projekttitel: Werbung an Fahrzeugen
Fachbetreuung: Marek Zöller
Referat: Aktive Fahrzeugsicherheit und Fahrerassistenzsysteme
Institutes:Abteilung Fahrzeugtechnik
Dewey Decimal Classification:6 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 62 Ingenieurwissenschaften / 620 Ingenieurwissenschaften und zugeordnete Tätigkeiten
Licence (German):License LogoBASt / Link zum Urhebergesetz

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