Feldversuch mit Lang-Lkw : Abschlussbericht

German field trial with longer trucks

  • 2011 beauftragte das damalige Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die BASt mit der wissenschaftlichen Begleitung des bundesweiten Feldversuchs mit Lang-Lkw. Lang-Lkw dürfen mit bis zu 25,25 m zwar um 6,50 m länger als nach den geltenden Regelungen ausgeführt sein; ein höheres Gesamtgewicht als die auch heute schon geltenden 40 t bzw. 44 t im Vor- und Nachlauf zum kombinierten Verkehr ist bei Lang-Lkw hingegen nicht zulässig. Der Versuch startete mit Wirkung vom 01.01.2012 und war auf die Dauer von fünf Jahren ausgelegt. Er ist Bestandteil des Aktionsplans Güterverkehr und Logistik des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Die gesetzliche Grundlage zur Durchführung des Feldversuchs bildet die vom Bundesminister für Verkehr erlassene Verordnung über Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge, kurz LKWÜberlStVAusnV, vom 19.12.2011 sowie deren zugehörige Änderungs-Verordnungen. Eine der Vorgaben betraf zum Beispiel den auf ein geprüftes Streckennetz beschränkten Einsatz der Lang-Lkw, eine andere die Teilnahme an der wissenschaftlichen Begleitung. Der Zweck der wissenschaftlichen Begleitung bestand unter anderem in einer Versachlichung des Themas "Längere Lkw". Ausgehend von den Argumenten gegen längere und schwerere Lkw aus der Vergangenheit wurden auch gegen die im Feldversuch ausschließlich adressierte Vergrößerung der Länge von Interessenvertretern der Bahn, von Umweltverbänden, aber auch Automobilclubs Bedenken geäußert. Die Kritik betrifft prinzipiell und relativ pauschal folgende drei zentrale Punkte: - Die Verkehrssicherheit würde durch größere und/oder schwerere Lkw gefährdet. - Die Infrastruktur würde durch größere und/oder schwerere Lkw derart beansprucht, dass eine Ertüchtigung und/oder Instandsetzung die Allgemeinheit mit enormen Kosten belasten würde. - Durch die zu erwartende Effizienzsteigerung und damit einhergehenden Kostenvorteile im Straßengüterverkehr würden Transporte von der Schiene auf die Straße verlagert und/oder neue Verkehre auf der Straße induziert, sodass schließlich nicht weniger, sondern mehr Straßengüterverkehr stattfinden würde. Auch der Umstand, dass es sich beim Lang-Lkw um ausschließlich längere, nicht aber schwerere Lkw handelt, hat keine grundlegende Veränderung in der Diskussion gebracht. Ziel der Konzeption der wissenschaftlichen Begleitung war es, alle in der Öffentlichkeit diskutierten Hoffnungen in und Bedenken gegen den Einsatz von Lang-Lkw umfassend zu berücksichtigen. Aufbauend auf einer internationalen Literaturstudie und unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie öffentlichen Diskussion wurden diejenigen Aspekte ermittelt und aufgelistet, die als mögliche Chancen und Risiken für einen Einsatz von Lang-Lkw in den verschiedenen Quellen benannt wurden. Diese Liste wurde im Rahmen eines Expertenkolloquiums im Mai 2011 diskutiert und weiterentwickelt. Zur Beantwortung der identifizierten Fragestellungen wurden mehrere Forschungsprojekte initiiert und im Feldversuchs zum Teil von der BASt selbst, überwiegend jedoch von externen Forschungsinstituten bearbeitet. Der zum Ende des Feldversuchs vorgelegte Abschlussbericht der BASt enthält neben den für die Konzeption der Gesamtuntersuchung erforderlichen rechtlichen Grundlagen und vorliegenden Erkenntnissen aus der Literatur die Zusammenfassungen der verschiedenen Forschungsprojekte aus allen Untersuchungsphasen der wissenschaftlichen Begleitung. Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass sich bedeutende Probleme im Feldversuch nicht gezeigt haben. Gemessen an der Vielzahl betrachteter Fragestellungen ist die Anzahl der identifizierten potenziellen Herausforderungen gering. Zudem können die identifizierten Herausforderungen bei der derzeit vorhandenen Anzahl an im Feldversuch beteiligten Lang-Lkw und auch noch unter der Annahme von deutlich höheren als im Rahmen der Untersuchungen zu den Verkehrsnachfragewirkungen prognostizierten Anteilen von Lang-Lkw am Güterverkehrsaufkommen als hinnehmbar oder beherrschbar eingestuft werden. Es kann zudem festgehalten werden, dass der Einsatz des Lang-Lkw eine positive Verkehrsnachfragewirkung bezüglich einer Reduktion von gefahrenen Lkw-Kilometern und dementsprechend auch eine Reduktion von Klimagasen und Luftschadstoffen im Versuch gezeigt hat und zukünftig haben kann. Es zeigte sich bislang, dass Verlagerungseffekte von der Bahn beziehungsweise vom Binnenschiff auf den Lang-Lkw vor allem aufgrund der bestehenden Gewichts-, aber auch der tatsächlichen beziehungsweise im Modell angenommenen Streckenbeschränkungen sehr gering und damit vernachlässigbar sind. Wenngleich deutlich wird, dass der Lang-Lkw nur eine mögliche Teillösung zur Eindämmung des Güterverkehrswachstums und den damit einhergehenden Umweltwirkungen darstellt, ist der Einsatz aus betriebswirtschaftlicher und verkehrsnachfrageseitiger Sicht in bestimmten Bereichen und Einsatzfeldern sinnvoll.
  • As one of the possible solutions to address the challenges associated with the increase of freight traffic on roads the introduction of heavy goods vehicles with a higher capacity for freight volume was discussed in many European countries. In 2011, the Federal Ministry of Transport, Building and Urban Development commissioned BASt to conduct a supporting scientific study of the nationwide field trial of overlength vehicles and vehicle combinations (longer trucks). Longer trucks may be designed with a greater length (up to 25.25 m) than is allowed under the current regulations. However, a higher gross weight than the currently applicable 40 tonnes (or 44 tonnes on the initial and terminal hauls in combined transport) is not permissible. The trial was launched on 1 January 2012 and was scheduled to run for five years. The legal basis for the conduct of the field trial is constituted by the Regulations issued by the Federal Minister of Transport on Exemptions from Road Traffic Law Provisions governing Overlength Vehicles and Vehicle Combinations (the Exemption Regulations) of 19 December 2011 and the relevant amending regulations. The purpose of the supporting scientific research was also to bring greater objectivity to the discussions on the issue of longer trucks. Taking as their starting point the arguments advanced in the past against longer and heavier trucks, pressure groups representing the railways, environmentalist groups and motoring organizations also expressed concerns regarding the increase in length, which was the only subject addressed in the field trial. The criticism concerns, as a matter of principle and in a relatively wholesale manner (i. e. primarily without differentiation between the different types of longer trucks), the following three key issues: - It is claimed that longer and/or heavier trucks would be detrimental to road safety. - The pavement load imposed on the infrastructure by longer and/or heavier trucks would be so great that its strengthening and/or repair would place a huge cost burden on the general public. - As a result of the likely efficiency enhancement and the associated cost advantages in the road haulage sector, freight traffic would be shifted from the railways to the roads and/or new road traffic would be induced, meaning that ultimately there would be more rather than less road freight traffic. Nor has the fact that longer trucks means exclusively longer and not heavier trucks brought about any fundamental change in the discussion. One of the key issues in the discussions is the fear regarding the impact on the demand for transport, which assumes a modal shift to the detriment of the railways. The objective of the approach to the supporting scientific research was to comprehensively take into account all hopes in and reservations concerning the operation of longer trucks discussed in public. By way of preparation for the trial and the associated supporting scientific research, the relevant questions were first identified. Within the scope of a study of the international literature, and taking account of the regulatory framework and the public discussion, those aspects mentioned in various sources as possible opportunities and risks regarding the operation of longer trucks were identified and listed. This list was discussed during a colloquium of experts. The outcome was an overview of the thematic issues deemed to be relevant and to be studied. The study programme of the supporting scientific research thus covered these thematic areas. To answer the questions, several research projects were launched. Some of these were conducted by BASt itself, but most were done by external research institutes. Within the different research projects multiple scientific methods were used to get the relevant findings. Mostly empirical observations and tests, but also simulations, modelling and theoretically considerations and calculations were part of the investigations. The supporting scientific research addressed a multiplicity of presumed risks or even fears regarding a more or less great need to adapt the infrastructure. On the basis of the comprehensive study programme, it emerged that the deployment of longer trucks will have no adverse impact on a large number of the aspects under consideration under the general conditions of the field trial. It will be possible to compensate for some of the potential challenges that may arise depending on the type and number of longer trucks using the highway facilities by substituting longer trucks for conventional trucks, as observed in the field trial (turn 3 into 2), and remedy them to varying degrees by modifying the road infrastructure. Longer trucks" share of the total volume of freight traffic is the main factor for appraising the risks identified. Low shares, which would appear likely given the most recent findings from the field trial, may result in them being classified as acceptable or manageable.

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Metadaten
Author:Marco Irzik, Thomas Kranz, Jan-André Bühne, Klaus-Peter Glaeser, Sigrid Limbeck, Jost Gail, Wolfram Bartolomaeus, Andreas Wolf, Christof Sistenich, Ingo Kaundinya, Ilja Jungfeld, Uwe Ellmers, Janine Kübler, Hardy Holte, Rolf Kaschner
URN:urn:nbn:de:hbz:opus-bast-20806
ISBN:978-3-95606-413-5
Series (Serial Number):Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Reihe V: Verkehrstechnik (311)
Document Type:Book
Language:German
Date of Publication (online):2018/11/05
Release Date:2018/11/05
Tag:Bewertung; Deutschland; Emission; Fahrleistung; Fahrstabilität; Forschungsbericht; Gütertransport; Güterverkehr; Lang-Lkw; Psychologische Gesichtspunkte; Sicherheit; Umweltfreundlichkeit; Verkehrsumlegung; Versuch
Emission; Evaluation (assessment); Freight transport; Germany; Goods traffic; Longer and heavier vehicle; Psychological aspects; Research report; Safety; Sustainability; Test; Traffic assignment; Vehicle handling; Vehicle mile
Institutes:Abteilung Verhalten und Sicherheit im Verkehr / Abteilung Verhalten und Sicherheit im Verkehr
Abteilung Straßenverkehrstechnik / Abteilung Straßenverkehrstechnik
Abteilung Fahrzeugtechnik / Abteilung Fahrzeugtechnik
Abteilung Straßenbautechnik / Abteilung Straßenbautechnik
Abteilung Brücken- und Ingenieurbau / Abteilung Brücken- und Ingenieurbau
Dewey Decimal Classification:6 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 62 Ingenieurwissenschaften / 620 Ingenieurwissenschaften und zugeordnete Tätigkeiten
collections:BASt-Beiträge / ITRD Sachgebiete / 91 Fahrzeugkonstruktion

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