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Begleitetes Fahren ab 17 : Vorschlag zu einem fahrpraxisbezogenen Maßnahmenansatz zur Verringerung des Unfallrisikos junger Fahranfängerinnen und Fahranfänger in Deutschland

"Accompanied" driving from the age of 17

Bundesanstalt für Straßenwesen / Projektgruppe Begleitetes Fahren

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Fahranfänger , Jugendlicher , Fahrausbildung , Modell , Erfahrung (menschl) , Schweden , Dänemark , Norwegen , Belgien , Österreich , Finnland , Begleitetes Fahren
Freie Schlagwörter (Englisch): Recently qualified driver , Adolescent , Driver training , Model (not math) , Sweden , Denmark , Norway , Belgium , Austria , Finland , Accompanied driving
Collection: BASt-Beiträge / ITRD Sachgebiete / 83 Unfall und Mensch
Institut: Abteilung Verhalten und Sicherheit im Verkehr
DDC-Sachgruppe: Recht
Dokumentart: Buch (Monographie)
Schriftenreihe: Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Reihe M: Mensch und Sicherheit
Bandnummer: 154
ISBN: 3-86509-076-1
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 17.06.2010
Kurzfassung auf Deutsch: In Deutschland besteht ein hoher verkehrspolitischer Handlungsbedarf zur Absenkung des Unfallrisikos junger Fahrer. Mit einem fünffach höheren Risiko gegenüber dem Gesamtdurchschnitt ist die Altersgruppe der 18- bis 20-jährigen am stärksten gefährdet. In dieser jüngsten Altersgruppe der Pkw-Fahrer finden sich die höchsten Anteile von Fahranfängern. Derzeit bestehen in Deutschland noch keine Maßnahmenansätze, um Fahranfänger bereits zum Start in die selbständige Fahrkarriere mit umfassenderen fahrpraktischen Erfahrungen auszustatten. Im Ausland wurden dagegen in den 90er Jahren mit fahrpraxisbezogenen Maßnahmenansätzen bereits beträchtliche Erfolge erzielt: So konnte in Schweden das Unfallrisiko von Fahranfängern um bis zu 40 Prozent, in Nordamerika - je nach Maßnahmenausgestaltung - zwischen 4 und 60 Prozent gesenkt werden (GREGERSEN, 2000; MEI-LI LIN, 2003). Im Mai 2002 richtete der Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen bei der Bundesanstalt für Straßenwesen die Projektgruppe "Begleitetes Fahren" mit Experten aus Bund und Ländern, Verbänden und Wissenschaft ein. Die Projektgruppe erhielt den Auftrag, die Übertragbarkeit der ausländischen Erfahrungen zu prüfen und ggf. einen Modellvorschlag für einen fahrpraxisbezogenen Maßnahmenansatz in Deutschland zu erarbeiten. Als Ergebnis ihrer Arbeit legt die Projektgruppe mit dem vorliegenden Bericht den Modellvorschlag "Begleitetes Fahren ab 17" vor, verbunden mit der Aufforderung an den Bundesminister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit die interessierten Bundesländer den Maßnahmenansatz erproben können. Nach dem Vorschlag der Projektgruppe erhalten Fahranfänger mit dem Begleiteten Fahren die Möglichkeit einer zusätzlichen Übungspraxis von bis zu einem Jahr vor dem Beginn des selbständigen Fahrens ab 18 Jahren. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Abschätzungen zur Kompetenzentwicklung bei Fahranfängern wird ein Übungsumfang von 5000 km empfohlen. Die Projektgruppe sieht das "Begleitete Fahren ab 17" als eine Ergänzung der anderen Maßnahmenansätzen für junge Fahrer und Fahranfänger, nicht als eine Alternative oder Konkurrenz. Das Begleitete Fahren verfolgt mit dem längerfristigen Aufbau fahrpraktischer Erfahrungen eine eigenständige Aufgabenstellung, die von den anderen Maßnahmenansätzen nicht wahrgenommen wird. Ebenso wie die freiwillige Fortbildung von Fahranfängern (Zweiphasenausbildung), für die im Mai 2003 die erforderliche Rechtsgrundlage geschaffen wurde, und das Pkw-Sicherheitstraining ist das Begleitete Fahren als ein freiwilliges Modell angelegt, das Fahranfängern zusätzliche Möglichkeiten des Dazulernens bietet. Das Projektgruppenmodell ist auf das Ziel einer Sicherheitsverbesserung für Fahranfänger ausgerichtet. Diese Zielsetzung wird mit den Zielen der Zugangsfreundlichkeit und der Praktikabilität verbunden, damit eine breite Nutzung des Modells und die Ausschöpfung seines Sicherheitspotentials ermöglicht wird. Die Projektgruppe geht aufgrund der Daten zum Risikoverlauf nach dem Fahrerlaubniserwerb (Halbierung des Anfangsrisikos nach neun Monaten Fahrpraxis) von einem hohen Potential zur Absenkung des Fahranfängerrisikos aus. Der tatsächlich erzielbare Sicherheitsertrag des Begleiteten Fahrens in Deutschland ist jedoch im Rahmen einer praktischen Erprobung zu klären.
Kurzfassung auf Englisch: There is great need for action to be taken in Germany to reduce the accident risk of young drivers. The 18-20-year-old age group is at greatest danger; their risk of accident is five times higher than the overall average. This group, which is the youngest age group of car drivers, contains the highest percentage of novice drivers. There are at present no measures in Germany for giving novice drivers more extensive practical driving experience when they begin driving on their own. In contrast to this, very good results were achieved in other countries in the 90s, using measures aimed at providing driving practice: in Sweden, for instance, the accident risk of novice drivers was reduced by up to 40 percent, and in North America – depending on the structure of the measures – by between 4 and 60 percent (GREGERSEN, 2000; MEI-LI LIN, 2003). In May 2002, the Federal Minister for Transport, Building and Housing set up a project group on “accompanied” driving at the Federal Highway Research Institute; the group contained experts from the federal government and the states, as well as from associations and academia. The project group was commissioned to test whether experiences made in other countries could be applied to conditions in Germany and, if applicable, to then draw up a proposal for driving practice measures which could be used in Germany. The results of the project group’s work comprise this report, containing a proposal entitled “accompanied driving from the age of 17”, and a call for the Federal Minister for Transport, Building and Housing to create the legal basis for interested federal states to be able to test this proposed measure. Under the proposal made by the project group, accompanied driving provides novice drivers with the opportunity to gain additional practice for up to a year before they are entitled to begin driving on their own, which in Germany is at 18 years of age. The proposal recommends that the driving practice should comprise about 5000 km of driving, a recommendation which is based on scientific estimates regarding the development of novice drivers’ skills. The project group envisages that “accompanied driving from the age of 17” should be used in addition to other measures for young drivers and novice drivers rather than an alternative or as a measure which is in competition with others. Accompanied driving aims at the longer-term development of practical driving experience, an independent objective which is not catered for by other measures. As with voluntary training for novice drivers (two-phase training), for which the necessary legal basis was created in May 2003, and car safety training, accompanied driving is conceived as being a voluntary option which offers novice drivers additional opportunities to extend their learning. The project group proposal is geared towards improving the safety of novice drivers. This aim is combined with the aims of making the measure practical and easily accessible, so that it can be used by large numbers of people, thereby exploiting the safety potential as much as possible. The project group assumes, based on data relating to risk development after people have acquired their driving licences (halving of the initial risk after nine months of driving practice), that there is great potential for reducing the risk of novice drivers. The safety benefit which accompanied driving could actually produce in Germany would, however, need to be clarified in a practical test.