Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Report (Bericht) zugänglich unter
URL: http://bast.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2011/244/


Risikoorientierte Prämiendifferenzierung in der Kfz-Haftpflichtversicherung : Erfahrungen und Perspektiven

Risk-orientated premium differentiation in liability insurance

Ewers, Hans-Jürgen ; Growitsch, Christian ; Wein, Thomas ; Schwarze, Reimund ; Schwintowski, Hans-Peter

pdf-Format:
Dokument 1.pdf (579 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Freie Schlagwörter (Deutsch): Deutschland , Fahrzeug , Forschungsbericht , Führerschein Punktesystem , Rechtsübertreter , Risiko , Tarif , Verhalten , Versicherung
Freie Schlagwörter (Englisch): Behaviour , Germany , Insurance , Offender , Point demerit system , Research report , Risk , Tariff , Vehicle
Collection 1: BASt-Beiträge / ITRD Sachgebiete / 80 Unfallforschung
Collection 2: BASt-Beiträge / ITRD Sachgebiete / 10 Wirtschaft und Verwaltung
Institut: Sonstige
DDC-Sachgruppe: Soziale Probleme, Sozialarbeit
Sonstige beteiligte Institution: Technische Universität <Berlin>
Dokumentart: Report (Bericht)
Schriftenreihe: Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Reihe M: Mensch und Sicherheit
Bandnummer: 160
ISBN: 3-86509-109-1
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 05.10.2011
Bemerkung: Weitere beteiligte Körperschaften: Universität Lüneburg; Humboldt-Universität Berlin
Kurzfassung auf Deutsch: Neuere empirische Studien und ausländische Erfahrungen zeigen, dass durch eine Risikodifferenzierung in der Kfz-Haftpflichtversicherung Anreize zur Verbesserung der Verkehrssicherheit gesetzt werden können. Ansatzpunkte hierfür bestehen vor allem darin, - das verkehrsgefährdende Verhalten und nicht erst den Unfall mit Prämienzuschlägen zu sanktionieren, - unmittelbar den verantwortlichen Fahrer mit dem Bonus zu belohnen beziehungsweise mit dem Malus zu bestrafen und - nicht nur den Unfall, sondern auch die Unfallschwere im Malus zu berücksichtigen. In diesem Gutachten werden die Möglichkeiten geprüft, die Ausgestaltung der Prämiendifferenzierung in der Kfz-Haftpflichtversicherung verstärkt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit einzusetzen. Dazu wird auf der Grundlage einer theoretischen und empirischen Bestandsaufnahme der Prämiendifferenzierung in der Kfz-Haftpflichtversicherung untersucht, ob und wie Prämienzuschläge an die Auffälligkeit im Verkehrszentralregister (VZR) geknüpft werden können. Empirische Analysen zeigen, dass mit Hilfe der Eintragungen im Verkehrszentralregister eine gute Vorhersage über ein zukünftig erhöhtes individuelles Verkehrsrisiko getroffen werden kann. Im Begleitprojekt des Kraftfahrtbundesamtes zu dieser Studie, das in der Schriftenreihe der Bundesanstalt für Straßenwesen als Heft M 159 gleichfalls veröffentlicht ist, zeigen sich dabei enorme Unterschiede der individuellen Risikodisposition, die den Faktor 10 oder gar 20 deutlich übersteigen. Dort wird auch gezeigt, dass mit der Kombination der drei Risikomerkmale Geschlecht, Alter und Anzahl der VZR-Eintragungen eine umfassende Risikodifferenzierung erreicht werden kann. Eine gute Risikodifferenzierung wäre in der Kfz-Haftpflichtversicherung also ohne "Tarifdschungel" auf der Basis einfach überprüfbarer Tarifmerkmale prospektiv möglich. Der Gesetzgeber kann ein VZR-punktebasiertes Modell der Prämiendifferenzierung aus europarechtlichen Gründen nicht vorschreiben. Die Versicherer können aber ein solches Modell auf freiwilliger Basis ohne Weiteres einführen. Den Anforderungen des Bundesverwaltungsgerichtes nach einer willkürfreien Differenzierung der Prämien würden alle hier diskutierten Modelle genügen. Als auf Freiwilligkeit basierendes System der Prämiendifferenzierung verletzt es auch weder das Recht auf informelle Selbstbestimmung, noch das Datenschutzrecht. Das punktebasierte Modell der Risikodifferenzierung erweist sich damit als wirksam und praktikabel. Ob es sich tatsächlich am deutschen Markt durchsetzt, hängt von der Bereitschaft der Versicherungsunternehmen ab, ein solches Modell zu erproben. Einfache Modelle, wie der hier entwickelte Regeltreuerabatt, könnten als erster Schritt im Wettbewerb zu einem Sogeffekt für andere Versicherer führen und damit eine sukzessive Verfeinerung der verhaltensbezogenen Risikodifferenzierung in der Kfz-Haftpflicht einleiten.
Kurzfassung auf Englisch: Recent empirical studies and experiences abroad show that risk differentiation in liability insurance can provide incentives to improve road safety. Approaches to using such a method consist above all in - sanctioning behaviour which endangers traffic with extra premiums rather than sanctioning just the accident , - directly rewarding the responsible driver with a dividend or penalising him with an extra premium and , - taking not just the accident but also the severity of the accident into account in the extra premium. This appraisal report examines the possibilities for making greater use of the structure of premium differentiation in liability insurance to improve road safety. Based on a theoretical and empirical assessment of the current position regarding premium differentiation in liability insurance, an investigation was conducted into whether and how extra premiums could be linked to incidence in the Central Traffic Register (Verkehrszentralregister - VZR). Empirical analyses show that with the help of the entries in the Central Traffic Register, it is possible to make good prediction about future higher individual traffic risks. The second project of the Federal Office for Motor Traffic (Kraftfahrtbundesamt) dealing with this study, which has also been published as volume M 159 in the Federal Highway Research Institute’s publication series, shows enormous differences in individual risk disposition, with risks being greater by factors of more than 10 or even 20. It is also shown that it is possible to achieve comprehensive risk differentiation by combining the three risk parameters of sex, age and number of VZR entries. It would therefore probably be possible to attain good risk differentiation in liability insurance based on easily checkable price parameters without this leading to a price "jungle". Due to regulations under European law, the legislator cannot prescribe a VZR points-based model for premium differentiation. The insurers could, however, introduce such a model on a voluntary basis without any problem. All models discussed here would meet the requirements of the Federal Administrative Tribunal (Bundesverfassungsgericht) for a non-arbitrary differentiation of the premiums. As a system of premium differentiation based on voluntary participation, it contravenes neither the right to informal self-determination nor data protection law. It is consequently evident that the point-based model of risk differentiation is effective and practicable. Whether it will actually be accepted on the German market will depend on the willingness of the insurance companies to test this kind of model. Simple models such as the discount for observing regulations which was developed here could act as a first step and encourage, through competition, other insurers to follow in the wake of this model, and could consequently lead to successive refining of behaviour-related risk differentiation in liability insurance.