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Buch (Monographie) zugänglich unter
URL: http://bast.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2016/1749/


Wahrnehmungspsychologische Analyse der Radfahraufgabe

The role of perception in cycling

Platho, Christina ; Paulenz, Andrea ; Kolrep, Harald

pdf-Format:
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Freie Schlagwörter (Deutsch): Deutschland , Forschungsbericht , Fahrgeschicklichkeit , Psychologie , Psychologische Gesichtspunkte , Radfahren , Radfahrer , Wahrnehmung
Freie Schlagwörter (Englisch): Cycling , Cyclist , Germany , Perception , Psychological aspects , Psychology , Research report , Skill (road user)
Collection: BASt-Beiträge / ITRD Sachgebiete / 83 Unfall und Mensch
Institut: Sonstige
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Sonstige beteiligte Institution: Human-Factors-Consult GmbH (Berlin)
Dokumentart: Buch (Monographie)
Schriftenreihe: Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Reihe M: Mensch und Sicherheit
Bandnummer: 267
ISBN: 978-3-95606-255-1
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 23.09.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel dieses Projekts war es, die visuelle und akustische Wahrnehmung der Verkehrsumwelt von Radfahrern zu beschreiben, und Wahrnehmungsfehler und deren Ursachen zu identifizieren. In einer Literaturanalyse wurden die bisherigen Erkenntnisse zusammengetragen. Noch weiß man nicht viel über die visuellen und noch viel weniger über die akustischen Wahrnehmungsmechanismen und Wahrnehmungsfehler von Radfahrern, auch wenn das Thema zunehmend ins Forschungsinteresse rückt. Um herauszufinden wie viele Unfälle auf Wahrnehmungsfehler zurückgehen, und unter welchen Bedingungen sie besonders häufig auftreten, wurde eine Unfallanalyse durchgeführt. Bei 1232 Radverkehrsunfällen aus GIDAS wurden Art, Häufigkeit und mögliche (mit-)beeinflussende Faktoren von Wahrnehmungsfehlern haupt- oder alleinschuldiger Radfahrer bestimmt. So wurde bei jedem vierten Unfall ein visueller (nie ein akustischer!) Wahrnehmungsfehler des haupt-/alleinschuldigen Radfahrers in der Unfallhergangsbeschreibung berichtet. Explorativ geprüft wurde daraufhin, bei welchen Umwelt- und Fahrermerkmalen Wahrnehmungsfehler vergleichsweise häufiger auftreten als andere Fehler. Häufiger sind sie: - beim Einbiegen/Kreuzen, - an Grundstückszufahrten und Einmündungen, - bei Tage, - und bei Radfahrern unter 15 Jahren. Nicht (wesentlich) häufiger sind sie hingegen bei - schlechter Witterung, z.B. Regen und Nebel, - Radfahrern über 55 Jahren oder über 75 Jahren, - und (nicht korrigierten) Sehbeeinträchtigungen der Radfahrer. Dafür kommen verschiedene Erklärungen (z.B. Kompensationseffekte, methodische Artefakte) in Frage. Zu selten berichtet, um den Zusammenhang zu Wahrnehmungsfehlern zu prüfen wurden bspw. ablenkende Tätigkeiten (Underreporting möglich). Die oft knappen Unfallhergangsbeschreibungen erschweren die nachträgliche Identifikation von Wahrnehmungsfehlern. Ziel der Aufgabenanalyse war es, die Art der Bewältigung verschiedener Fahrsituationen durch Radfahrer zu erfassen. Der Fokus lag auf der Identifizierung typischer perzeptiver und auch kognitiver Prozesse, und der daraus resultierenden Beanspruchung in fünf auf Video aufgezeichneten Verkehrssituationen. Aufgabe der Probanden war es, laut zu denken, wo sie als Radfahrer hinschauen oder hinhören, welche Entscheidung sie treffen, wie sie handeln, von welchen Faktoren dies abhängt, und wie beanspruchend sie dies empfinden. Die Ergebnisse liefern einen Einblick in typische Wahrnehmungsmechanismen, wie z.B. den Wechsel zur gezielten Informationssuche von einer eher reizgesteuerten Aufmerksamkeit bei bestimmten Hinweisreizen, die akustische Überwachung des rückwärtigen Verkehrsraums, die erkannte Fehleranfälligkeit rein akustischer Wahrnehmung und deren Kompensation durch Kontrollblicke, auf die bei Entscheidungen unter Zeitdruck verzichtet wird. Zu Projektabschluss wurde ein Expertenworkshop durchgeführt, um Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit des Radverkehrs zu diskutieren und weitere Forschungsbedarfe abzuleiten. Diskutiert wurden Maßnahmen zur Vermeidung von Wahrnehmungsfehlern bei Radfahrern aus folgenden Gründen: - Unaufmerksamkeit bzw. Ablenkung, - Unpassende Gestaltung der Verkehrsumwelt, - Eingeschränkte Kompetenz oder Bereitschaft zu sicherem Verkehrsverhalten. Die im Workshop diskutierten Maßnahmen zur Vermeidung von Wahrnehmungsfehlern setzen auf verschiedenen Ebenen (Unterstützung der Wahrnehmung, der Situationseinschätzung, der Bewusstmachung oder des Enforcements sicheren Verkehrsverhaltens) an. Weitere Forschungsbedarfe wurden aufgezeigt. Dazu gehören u.a. die Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen, und das Verständnis der typischen visuellen und akustischen Wahrnehmungsprozesse von Radfahrern.
Kurzfassung auf Englisch: This project's goal was to explore cyclists' visual and acoustic perception of road traffic, and to identify types and causes of perceptional errors. A literature analysis was conducted to summarize the state of knowledge. Though not a lot is known about cyclists' visual perception and even less about their acoustic perception, an increasing number of studies dealing with these research questions have been conducted over the last years. An accident analysis based on data from the German-In-Depth-Accident-Study was conducted to find out how many accidents are due to perceptional errors, and which factors contribute to it. 1232 accidents (mainly) caused by cyclists were analysed to identify type, frequency and possible causes of perceptional errors. In one of four accidents a visual perceptional error of the cyclist (not once an acoustic error!) was reported when describing the course of events. In order to identify which environmental and personal factors contributed to the occurrence of perceptional errors an explorative analysis was conducted. They occur more often: - When turning into or crossing an intersection, - At driveways and side roads, - At daytime, - With cyclists younger than 15 years of age. They do not occur more often: - In bad weather conditions (e.g. rain, fog), - With cyclists older than 55 years or older than 75 years of age, - When (unadjusted) impairments of sight were reported. This might be explained by e.g. compensation strategies or methodical artifacts. Rarely reported were distractive activities (underreporting quite likely), which could not be checked for correlation with perceptional errors due to low case numbers. The lack of useful information in many descriptions of the accidents' course of events hinders the ex post analysis of perceptional errors. A task analysis was conducted to assess the ways in which cyclists manage different traffic situations. Special interest was given to their typical perceptional and cognitive processes and the workload resulting from them. Each situation was video-recorded. Test persons were instructed to "think aloud", where or what they look at or listen to, which decisions they make, how they would act, which factors influence all this, and how demanding these tasks would be in real traffic. The results provide insight into typical perceptional processes of cyclists: e.g. the change from mainly stimulus-driven attention when certain environmental cues are noticed to focussed attention, the acoustic monitoring of rearward traffic, cyclists' awareness of the error-proneness of acoustic perception which are complemented by control glances – if there is enough time left. An expert workshop was conducted to discuss measures to increase the traffic safety for cyclists and further needs for research. Measures for preventing perceptional errors resulting from the following causes were discussed: - Inattention and distraction, - Insufficient design of the traffic environment, - Limited skills or willingness to cycle safely. During the discussion measures were identified which support cyclists’ perception, their situational assessment, their awareness of and compliance with safe cycling behaviour in road traffic. Further research needs were pointed out, e.g. the evaluation of road safety measures, and the comprehension of visual and acoustic perception of cyclists.