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Buch (Monographie) zugänglich unter
URL: http://bast.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2015/1617/


Stand der Radfahrausbildung an Schulen und die motorischen Voraussetzungen bei Kindern

Status of cycling proficiency training in schools and motor skill needs in children

Günther, Rudolf ; Kraft, Martin

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Benutzung , Deutschland , Erziehung , Fahrgeschicklichkeit , Fahrrad , Forschungsbericht , Kind , Radfahren , Radfahrer , Schule, Verbesserung , Verkehr
Freie Schlagwörter (Englisch): Bicycle , Child , Cycling , Cyclist , Education , Germany , Improvement , Research report , School , Skill (road user) , Traffic , Use
Collection: BASt-Beiträge / ITRD Sachgebiete / 83 Unfall und Mensch
Institut: Sonstige
DDC-Sachgruppe: Erziehung, Schul- und Bildungswesen
Sonstige beteiligte Institution: Verkehrswacht Medien & Service-Center GmbH
Dokumentart: Buch (Monographie)
Schriftenreihe: Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Reihe M: Mensch und Sicherheit
Bandnummer: 261
ISBN: 978-3-95606-187-5
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 27.10.2015
Bemerkung: Außerdem beteiligt: Forschungsgruppe Dr. Günther (Reutlingen)
Kurzfassung auf Deutsch: Die Radfahrausbildung (RA) im vierten Schuljahr ist der wichtigste Baustein der Verkehrssicherheitsarbeit in der Schule. Ihr Stellenwert entspricht der Bedeutung, die das Fahrrad für Kinder und Jugendliche zunächst als Spielgerät, dann zunehmend als Verkehrsmittel hat. Die Verkehrsteilnahme von Kindern hat sich in den letzten Jahren jedoch stark verändert, die eigenständige Mobilität hat abgenommen. Das Fahrrad stellt zwar weiterhin ein für Kinder aller Altersgruppen wichtiges Verkehrsmittel dar, Kinder haben jedoch insbesondere in den Städten immer weniger Gelegenheit, es eigenständig zu nutzen. Auch deshalb nehmen Kinder heute mit anderen motorischen Voraussetzungen an der schulischen RA teil als früher. Im vorliegenden Forschungsprojekt war zu untersuchen, mit welchen Inhalten und Vorgehensweisen die heutige Radfahrerziehung in der Grundschule arbeitet. Andererseits war auch zu klären, wie sich individuelle Leistungsunterschiede und -schwächen von Kindern beim Beherrschen des Fahrrads empirisch erfassen lassen und von welchen individuellen, sozialen oder physischen Randmerkmalen sie vorrangig beeinflusst werden; der derzeitige Forschungsstand hierzu wurde diskutiert und bildete die Grundlage für die Planung der breit ausgelegten empirischen Erhebungen. Auf der Grundlage der Erkenntnisse sollten Vorschläge für eine künftige Radfahrausbildung in der Schule erarbeitet werden. Dazu wurden während laufender Kurse zur Radfahrausbildung Polizisten, Lehrerinnen, Eltern und Kinder (insgesamt etwa 3.000) schriftlich befragt, zusätzlich erfolgte eine bundesweit repräsentative Online-Befragung von 1.000 Eltern 8-10-jähriger Kinder. In einer weiteren Befragung von Polizeiverkehrslehrern wurde nach innovativen Modellen der motorischen Förderung gesucht, von denen 17 Polizeidienststellen, die zuständigen Klassenlehrerinnen, Eltern sowie Kindern als zweite Welle der Hauptbefragung näher untersucht wurden. Zur qualitativen Analyse der Abläufe bei der Radfahrausbildung und zur Entwicklung von Vorschlägen wurden vier Fachkonferenzen und ergänzende Interviews bundesweit durchgeführt. Die Auswertung der Befragungen zeigte, dass die Radfahrausbildung nach wie vor flächendeckend im ganzen Land durchgeführt wird, in der Regel in der Arbeitsteilung von Schule und Polizei. Allerdings gibt es auf Seiten der Polizei in den letzten Jahren Veränderungen. Die Inklusion wird zunehmend wichtiger, stößt aber bei der praktischen Radfahr-Ausbildung vor allem im Verkehrsraum an ihre Grenzen. Die von allen Beteiligten intensiv diskutierten motorischen Schwächen der Kinder beim Radfahren lassen sich anhand der erhobenen Kenngrößen (Einschätzungen von Eltern, Selbsteinschätzungen der Kinder, Ergebnisse von experimentellen Kurztests, Schulnoten) ausreichend präzise erfassen, wobei eine Fülle verschiedener Faktoren als Ursachen anzusehen sind. Allerdings ist das Thema für die Polizei wichtiger als für Lehrkräfte, die motorische Schwächen der Kinder vergleichsweise seltener erkennen. Eine vielfältige motorische Förderung gehört heute zur Praxis der Schulen, ist aber oft nicht umfassend und kontinuierlich genug. In einem Umfeld, das Bewegungserfahrungen der Kinder einschränkt, wird vermehrt eine besonders intensive Förderung angeboten, wie die Untersuchung belegt. Fast alle Kinder haben ein Kinderrad (im Mittel seit dem Alter von 3,6 Jahren), 50 % der Kinder haben vorher mit einem Laufrad gespielt. Die Laufradnutzung wirkt sich positiv auf die motorischen Fertigkeiten aus. Etwa 1/6 der Kinder hat im Umfeld der Wohnung keine Möglichkeit zum Radfahren. Der Großteil der Eltern hat mit dem Kind das Radfahren geübt, am intensivsten zwischen dem 5. und 8. Lebensjahr. Ein Drittel der Eltern hatte die Kinder dabei jedoch nicht oder nur wenig unterstützt. Die Autoren empfehlen, wegen des großen Stellenwertes der Polizei-Mitwirkung diese unbedingt zu erhalten. In Bundesländern, wo Kürzungen nicht verhindert werden können, sollte vorab versucht werden, durch Absprachen zwischen allen Beteiligten (Schule, Polizei, Elternvertreter, außerschulische Unterstützer) Erfolg und Qualität der Ausbildung langfristig zu sichern. Unabhängig davon sollte auch überlegt werden, wie Eltern in stärkerem Maße selber unterstützen können und in stärkerem Maße beteiligt werden können. Ein gewisses grundlegendes Maß an Polizeiunterstützung ist aber aus Sicht der Autoren unverzichtbar, damit das System funktionsfähig bleibt. Optimierungspotenziale werden auch bei einer intensiveren Abstimmung und Kommunikation zwischen allen Beteiligten (Kindergärten, Schulen, Polizei, Eltern), bei einer umfassenderen motorischen Förderung sowie bei der Lehrerausbildung gesehen. Eltern sollten frühzeitig schon im Kindergarten informiert werden (z. B. über den Nutzen von Laufrädern) und klare Hinweise sowie Übungsangebote erhalten, z.B. in Form von Hausaufgaben mit Bewegungsanteil oder zu Radfahrübungen.
Kurzfassung auf Englisch: Cycling proficiency training in the fourth academic year is the most important element in road safety work in schools. It has a status that equates to the significance that the bicycle has for children and adolescents - first as a toy and then increasingly as a means of transport. However, the way children interact with traffic has changed considerably in recent years, with a reduction in their independence of movement. The bicycle admittedly still represents an important means of transport for children of all ages, yet children, especially in urban areas have fewer and fewer opportunities to use one. Also for this reason more children with other motor skill needs take part in school-based cycling proficiency training today than previously. In this research project the content and processes used in today's cycling proficiency training in primary schools were examined. Furthermore we also sought to clarify how individual differences in children's achievement and weaknesses in mastering riding a bicycle can be measured empirically and which individual, social or physical parameters influence them above all else: the current state of research on this was discussed and formed the basis for planning the broad empirical surveys. On the basis of these findings, proposals are to be worked up concerning future cycling proficiency training in schools. In addition while cycling proficiency courses were running, police officers, teachers, parents and children (in total approximately 3,000) were given written questions and this was followed by a representative online poll carried out across Germany, involving 1,000 parents of children in the age range of 8-10 years old. In a further poll of police traffic instructors we looked for innovative models for promoting motor skills. From these, the responses of 17 police stations, the responsible class teachers, parents as well as children were examined in closer detail in a second phase of the main polling exercise. Four expert conferences were held and complementary interviews conducted nationwide to undertake a qualitative analysis of the processes involved in cycling proficiency training and for the development of proposals. The evaluation of the polling revealed that cycling proficiency training is still being carried across the whole country, as a rule with the work divided between schools and the police. However over the last few years there have been changes as far as the police are concerned. Inclusion is becoming increasingly important but in practical cycling proficiency training the limits are being reached, especially in traffic. Children's weaknesses regarding mobility skills when riding a bicycle which were discussed at length by all participants can be recorded quite precisely because of the large number of characteristic variables (appraisals of parents, self-assessments by the children, results from experimental short tests, school grades), where a whole panoply of different factors can be seen as causes. At any rate, this is an issue of greater importance for the police than for teaching staff, who recognize deficiencies in children’s motor skills comparatively less often. Today multifaceted promotion of motor skills belongs to the school repertoire but it is often not comprehensive or continuous enough. In surroundings that restrict the children's experience of movement, intensive support in particular is increasingly on offer, something that the study verified. Almost all children have a child's bicycle (on average from the age of 3.6 years old), 50 per cent of children have previously played on a learner bike. Using a learner or balance bike has beneficial effects on motor skills. Approximately one child in six has no possibility to use a bicycle in or around the home. The majority of parents have practised bicycle riding with their child, most intensively between the ages of 4 and 7. A third of parents however have either not supported their child at all or only supported them a little. Because of the great importance of police collaboration, the authors recommend that this be maintained at all costs. In Federal States, where spending cuts cannot be avoided, efforts should be made beforehand to ensure the long-term success and quality of the training through discussions with all parties involved (schools, police, parents' representatives, outside sponsors). That notwithstanding, consideration should also be given to how parents themselves can provide greater support and be more closely involved. A certain basic level of support from the police is however in the view of the authors indispensable if the system is to remain viable. The potential for improvements can been seen in closer coordination and communication between all parties (nursery schools, schools, police, parents) in a more comprehensive promotion of motor skills as well as in teacher training. Parents should be informed as early as possible in the nursery schools (For example through the use of learner bikes) and be given clear advice as well as opportunities to practice, for example in the form of homework with an element of movement or on bicycle riding exercises.