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Buch (Monographie) zugänglich unter
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Auswirkungen geringer Alkoholmengen auf Fahrverhalten und Verkehrssicherheit

Krüger, Hans-Peter ; Kohnen, Ralf ; Diehl, Monika ; Hüppe, Angelika


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Aggression (psychol) , Alkohol , Blutalkoholgehalt , Entscheidungsprozess , Fahrer , Grenzwert , Kontrolle , Risiko , Verhalten
Freie Schlagwörter (Englisch): Aggressiveness (psychol) , Alcohol , Behaviour , Blood alcohol content , Decision process , Driver , Limit , Risk , Surveillance
Collection: BASt-Beiträge / ITRD Sachgebiete / 83 Unfall und Mensch
Institut: Sonstige
DDC-Sachgruppe: Soziale Probleme, Sozialarbeit
Sonstige beteiligte Institution: Institut für Psychologie (Würzburg)
Dokumentart: Buch (Monographie)
Schriftenreihe: Forschungsberichte der Bundesanstalt für Straßenwesen
Bandnummer: 213
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 1990
Publikationsdatum: 11.08.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Die Literaturstudie zum Thema "Auswirkungen geringer Alkoholmengen auf Fahrverhalten und Verkehrssicherheit" (FP 8707) wählte aus rund 100.000 geprüften Literaturangaben, nach strengen methodischen Kriterien, 1.126 empirische Befunde im Bereich unter 0,84 Promille BAK aus. Es zeigt sich, dass ab 0,3 Promille BAK nachweisbare Wirkungen des Alkohols vorhanden sind. Bis zu 0,5 Promille sind diese noch stark von den untersuchten Personen und Situationen abhängig, so dass dieser Bereich nicht maßnahmenrelevant erscheint. Bei Konzentrationen über 0,5 Promille hat Alkohol deutliche Wirkungen in Verkehrssituationen, die ein hohes Maß an Kontrollprozessen verlangen. Solche sind gefordert, wenn das Fahren an rasch wechselnde, unvorhersehbare Situationen angepasst werden muss oder wenn sich mehrere Anforderungen gleichzeitig stellen. Ebenfalls deutliche Wirkungen sind in Verkehrssituationen zu erwarten, die einen sozialen Aufforderungsgehalt haben, insbesondere solche mit aggressionsauslösenden Reizen (etwa Bedrängen, Überholtwerden, Vorfahrtsfragen und so weiter). Geringere Wirkungen zeigen sich in Standardsituationen wie Abbiegen, Überholen und so weiter. Fast keine Wirkungen zeigen sich in nicht beanspruchten Situationen, wo eine leichte Beeinträchtigung nicht leistungsmindernd ins Gewicht fällt oder durch eine Erhöhung der Anstrengung kompensiert werden kann. Die gleiche BAK ist umso gefährlicher, je weniger der Fahrer über automatisierte Handlungen verfügen kann, je mehr er auf Kontrollprozesse angewiesen ist. Dies ist der Fall vor allem bei wenig geübten Fahrern, regelhaft bei Fahranfängern. Aber auch ältere Verkehrsteilnehmer mit ihren größeren Schwierigkeiten bei Kontrollprozessen sind in besonderem Maße betroffen. Legt man die in Paragraph 24 a Straßenverkehrsgesetz für den Grenzwert von 0,8 ausgesprochene Wirkungsvermutung zugrunde, zeigt das Review eindeutig, dass eine BAK über 0,5 Promille in vielen Verkehrssituationen (nicht in allen) und/oder bei zahlenmäßig großen Risikopopulationen (nicht bei allen) die Leistungen so deutlich mindert, dass von einer abstrakten Gefährdung des Straßenverkehrs auszugehen ist. Damit ist eine Absenkung des Gefahrengrenzwerts auf 0,5 Promille zu befürworten.
Kurzfassung auf Englisch: A literature study on "Effects of small quantities of alcohol on driver behaviour and road safety (FP 8707)", based on about 100,000 references checked applying the most stringent criteria of method, resulted in 1,126 empirical findings with respect to blood alcohol concentrations (BAC) less than 84 mg/100 ml. The review revealed that clear effects of alcohol can be ascertained from 30 mg/100 ml BAC. Up to 50 mg/100 ml BAC, the effects are, however, still greatly dependent on the individuals and situations in question. For these reasons, BACs of this level are not considered as relevant for countermeasures. At BACs greater than 50 mg/100 ml, alcohol affects driving to an extent requiring a high measure of control processes. They are for instance required if drivers have to quickly adjust to a fast succession of unforeseen changes on the traffic scene or cope with several demands at the same time. Clear effects can also be expected in situations triggering emotional responses, especially those stimulating aggression (such as being pressed, overtaken, questions of priority, etc.). The effects of alcohol are less felt in standard situations, such as turning off, overtaking, etc. In situations not making any special demands on drivers and in which slight impairments and their effects on performance either remain without consequence or can be compensated by increased efforts, the effects of drinking are hardly noticed at all. The same BAC level will be the more hazardous the less a driver's actions are automatic and the more he has to rely on conscious control processes. This applies especially to less experienced drivers and as a rule to beginners. But elderly road users are also at special risk due to their growing difficulties with control processes. Considering the effects at 80 mg/100 ml BAC assumed in Section 24a of the German Traffic Law, the review revealed that BACs greater than 50 mg/100 ml result in impacts on many (but not all) traffic situations or on the performance of large risk populations (not all of them) to an extent that the risk of traffic accidents must be assumed. For that reason, a reduction of the legal BAC limit to 50 mg/100 ml is to be recommended.